Rückblick auf die OERcamp Werkstätten in Detmold und Wutöschingen 2026

Im Mai und Juni 2026 war ich erneut als Werkstatt-Coach für SPIELend Lernen bei den OERcamp Werkstätten in Detmold und Wutöschingen dabei. Wie schon in den vergangenen Jahren haben mich nicht nur die Offenheit, Hilfsbereitschaft und produktive Atmosphäre beeindruckt. Besonders spannend war erneut zu sehen, was innerhalb weniger Tage entstehen kann, wenn Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Ideen und Perspektiven gemeinsam an offenen Bildungsprojekten arbeiten. Und genauso wertvoll war diese Veranstaltungen für Vernetzung und Austausch – auch über die eigenen Themengebiete hinaus.

Inputs, Sprechstunden & Impulse

Wie schon bei früheren Werkstätten lag mein Schwerpunkt auf dem Thema SPIELend Lernen. Dazu gehörten verschiedene Inputs, offene Sprechstunden und zahlreiche Gespräche rund um die Frage, wie Lernen aktivierender, motivierender und bedeutsamer gestaltet werden kann.

Die Anliegen der Teilnehmenden waren dabei so vielfältig wie die Bildungslandschaft selbst. Es ging unter anderem um

  • kleine Lernspiele für den Grundschulbereich, Mathematik, Sprachen und Naturwissenschaften
  • spielerische Ansätze für den Chemieunterricht und DaZ-Angebote
  • den Umgang mit Spielen im Geschichtsunterricht
  • Materialien für die Lehrerfortbildung
  • die Entwicklung von Materialien für schülerorientiertes Lernen

Andere Projekte beschäftigten sich mit größeren Fragen: Wie lassen sich ganze Unterrichtsreihen, Jahrgänge oder sogar Schulkonzepte spielerisch inspirieren? Wie kann eine bestehende Lernapp gamifiziert werden? Und wie können Schüler:innen selbst spielerische Lernangebote entwickeln?

Im Vorfeld der OERcamp Werkstätten 2026 wurden auch wieder einige Videos erstellt, z.B. zu Gamification. Sie bieten einen ersten Einstieg in viele dieser Themen und stehen offen zur Verfügung.

Besonders spannend finde ich dabei immer wieder, dass die Werkstätten Menschen mit ganz unterschiedlichen Vorerfahrungen zusammenbringen. Manche kommen mit einer konkreten Idee, andere mit einer Herausforderung aus ihrem Bildungsalltag und wieder andere einfach mit der Neugier, neue Wege auszuprobieren.


Selber Material erstellen & veröffentlichen

Ein besonderer Reiz der OERcamp Werkstätten liegt darin, dass nicht nur diskutiert, sondern tatsächlich entwickelt wird.

Innerhalb weniger Tage entstehen Prototypen, Unterrichtsmaterialien, Selbstlernangebote, H5P-Inhalte, Konzepte und neue Ideen. Vieles davon wird anschließend veröffentlicht und kann von anderen weitergenutzt, angepasst oder weiterentwickelt werden.

Auch für mich selbst entstand während der Werkstätten ein neues Projekt: der Adaptionsraum.

Ausgangspunkt war eine Frage, die mich schon seit vielen Jahren begleitet: Wie dürfen Spiele und andere Materialien für Bildungszwecke bearbeitet, angepasst oder weiterentwickelt werden? Die Frage tauchte bereits beim Open Edu Game Jam 2020 auf und begegnet mir bis heute regelmäßig in Workshops und Beratungsgesprächen.

Der Adaptionsraum versucht, diese Diskussion etwas differenzierter zu betrachten. Statt ausschließlich rechtliche Fragen in den Mittelpunkt zu stellen, geht es dort vor allem um Fairness, Wertschätzung, Transparenz und eine Kultur des Teilens. Welche Formen der Adaption haben sich in Spiel-, Community- und Bildungskontexten etabliert? Wo beginnt eigenständige Gestaltung? Und wie lassen sich kreative Weiterentwicklungen respektvoll gestalten?


Selber dazulernen

So gerne und intensiv ich die Werkstätten als Coach begleite, so sehr bieten sie mir selbst Gelegenheit dazuzulernen.

Besonders ausführlich habe ich mich diesmal mit KI-gestützter Softwareentwicklung, dem sogenannten Vibecoding beschäftigt. Zwar bringe ich bereits Erfahrungen aus der Entwicklung unterschiedlicher digitaler Projekte mit, so zum Beispiel aus der Audio Adventure-Produktion The Strange Case of Dr. Davis. Dennoch eröffnen sich hier gerade völlig neue Möglichkeiten für Menschen, die Ideen entwickeln und umsetzen möchten.

In zahlreichen Gesprächen mit Entwickler:innen, Lernenden und anderen Interessierten konnte ich unterschiedliche Perspektiven auf dieses Thema kennenlernen. Dabei geht es längst nicht nur um neue Werkzeuge, sondern auch um die Frage, wie sich Lernen, Problemlösen und kreative Arbeit verändern. Für mich fühlt sich das wie der Beginn eines neuen Entwicklungsfeldes an, das ich in den kommenden Monaten weiter erkunden möchte.

Ganz praktisch geholfen hat mir dabei auch ein Tipp von Nele Hirsch. Durch ihre Anleitung zur Veröffentlichung kleiner Webprojekte über Codeberg konnte ich einen ersten Prototypen innerhalb kurzer Zeit nicht nur konzipieren und entwickeln, sondern auch direkt veröffentlichen.

Gerade diese Mischung aus Austausch, gegenseitiger Unterstützung und konkreter Umsetzung macht die OERcamp Werkstätten so wertvoll für mich.

Austausch & Vernetzung

Denn die Werkstätten bringen Menschen aus sehr unterschiedlichen Bereichen zusammen: Lehrkräfte, Hochschulangehörige, Fortbildner:innen, Entwickler:innen, Mediendidaktiker:innen, Maker, Autor:innen und viele viele mehr.

Dadurch entstehen immer wieder Perspektivwechsel. Neue Ideen und Verbindungen zwischen Themenfeldern, die sich sonst vielleicht nie ergeben hätten.

Die Mitarbeit in der Maker Space Community in Detmold war für mich dabei besonders bereichernd. Besonders durch die vielen spontanen Gespräche über Geräte, Projekte und Herangehensweisen, die sich aus gemeinsamem Interesse und gegenseitiger Neugier ergeben haben.

Und natürlich auch die Einblicke in die Gestaltung eines Maker Spaces bei anderen, z.B. am ZfsL Detmold oder im DigiLab Osnabrück. Oft zeigt sich gerade in solchen Gesprächen, welche Lösungen sich im Alltag tatsächlich bewährt haben und welche Fragen viele Menschen gleichermaßen beschäftigen. Entstanden ist daraus unter anderem auch dieser Fahrplan für das Einrichten eines Makerspaces an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen.


Die Lern-, Austausch- und Arbeitsorte in Detmold und Wutöschingen

Auch die Veranstaltungsorte selbst waren wieder eine Inspiration. Das ZfsL Detmold bot mit seinen Räumen und dem bereits erwähnten Makerspace zahlreiche Anknüpfungspunkte für kreatives Arbeiten und gemeinsames Entwickeln. Gleichzeitig ergaben sich dort viele Gespräche über die Gestaltung von Lernräume und die Rolle von Makerspaces im Bildungskontext.

Ebenso beeindruckend war die Alemannenschule Wutöschingen. Das Schulkonzept, die Gestaltung der Lernumgebung und das zugrunde liegende Menschenbild haben mir sehr eindrucksvoll gezeigt, wie Vertrauen, Eigenverantwortung und selbstständiges Lernen im Schulalltag verankert werden können. Besonders überzeugt hat mich, wie konsequent das Vertrauen in die Lernenden nicht nur formuliert, sondern auch räumlich und organisatorisch sichtbar gemacht wurde.

Wer sich für zeitgemäße Lernkulturen interessiert, findet allein in den beiden Veranstaltungsorten bereits zahlreiche Anregungen.


Mein Fazit

Die OERcamp Werkstätten sind für mich weit mehr als Fortbildungsveranstaltungen. Sie sind Lern-, Arbeits- und Produktionsräume zugleich.

Hier werden Ideen ausprobiert, Materialien entwickelt, Erfahrungen geteilt und neue Verbindungen geknüpft. Man kommt nicht nur mit Inspiration nach Hause, sondern häufig auch mit konkreten Ergebnissen, neuen Kompetenzen und spannenden Kontakten. Und mit dem Mut, weiter an zukunftsfähigen Lernkonzepten zu arbeiten.

Danke allen Teilnehmenden, Coaches, Organisator:innen und Gastgeber:innen, die dieses besondere Erlebnis möglich machen. Ich freue mich sehr darauf, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen 🚀💫

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