Game-Based Learning in der Schule: ION

ION ist ein kurzweiliges Kartenspiel, bei dem die Spielenden Ionenverbindungen erstellen um Punkte zu sammeln – und dadurch nebenbei chemische Grundlagen erlernen.

Ion Spielmaterialien

Kartenspielen im Chemieunterricht? Mit ION ist das möglich. Es ist von der Spielzeit und Spieleranzahl absolut unterrichtstauglich. Die Spielmechaniken sorgen für einen zügigen Spielablauf. Und vor allem verbindet es fachliche Inhalte zum Thema „Ionenverbindungen“ sehr gekonnt mit dem Spielgeschehen.

Spielbeschreibung

Im Basis-Spiel von ION wählen die 2-7 teilnehmenden Spielerinnen aus ihrer Kartenhand eine Karte, mit der sie eine Ionenverbindung erstellen möchten, und legen diese verdeckt vor sich ab. Die Karten stellen im wesentlichen ausgewählte positiv oder negativ geladene Ionen dar, es gibt aber auch einige Edelgase.

Die Spielkarten: Zum Grundspiel gehören positiv (und negativ) geladene Ionen sowie Edelgase, zu den im Spiel enthaltenen erweiterten Modi gehören auch Übergangsmetalle, polyatomare Ionen und radioaktive Ionen.

Bevor die Karte für eine Verbindung genutzt wird, werden die restlichen Karten der Kartenhand an den nächsten Spieler weitergegeben. Anschließend wird dieses Vorgehen solange wiederholt, bis nur noch 2 Karten auf der Kartenhand sind.

Spielaufbau und Ablauf: Jeder Spieler erhält verschiedene Ionen-Karten auf die Hand, aus der pro Runde 1 Karte gewählt wird, mit der man Ionenverbindungen erstellen möchte. Auf einer Skala werden die erzielten Punkte festgehalten. Die drei Karten links neben der Punkteskala geben bestimmte Zielverbindungen vor – Salze, Säuren, etc – für die man Sonderpunkte erhält.

Dann wird gewertet. Man erhält Punkte für erfolgreiche Verbindungen und Sonderpunkte, wenn man die auf den Zielkarten angegebenen Verbindungen erstellen konnte. Diese geben z.B. vor, dass Säuren oder Salze erstellt werden müssen um die Sonderpunkte zu ergattern.

Für erfolgreiche Ionenverbindungen (wie unten z.B. Chlorwasserstoff) erhält man Punkte; für gesammelte Edelgase ebenfalls. Sonderpunkte bekämen die Spielenden, wenn sie die Verbindungen auf den Zielkarten erstellt hätten.

Wenn man das Basis-Spiel beherrscht, kann man sich auch an die Erweiterungen machen. Dann kommen Übergangsmetalle, polyatomare Ionen und radioaktive Ionen ins Spiel sowie zusätzliche Spielmarker, die es den Spielenden erlauben mehr Karten aus einem Kartenpool zu wählen, der in der Tischmitte aufgebaut wird; oder sie können die bereits ausgespielten Verbindungen neu anordnen.

Anwendung im Unterricht

Als Lernspiel kann ION auch im Schulunterricht angewendet werden. Die relativ kurze Spieldauer von 20-30 Minuten erlaubt eine Hinführung, das Spielen und eine kurze Nachbesprechung innerhalb einer Schulstunde mit 45 Minuten.

Kurze Spielbeschreibung von John Coveyou, dem Autoren von Ion: A Compound Building Game

Für eine Klasse benötigt man entweder 3-5 Spiele – oder man modifiziert das Spiel so, dass man z.B. in 4er-Gruppen spielen lässt und die Zielkarten der gesamten Klasse zeigt, beispielsweise über eine Dokumentenkamera oder ein anderes Beamer-Setup. Andere Spielmaterialien wie die Punktemarker können durch Strichlisten oder Vorgaben auf einfachen Arbeitsblättern ersetzt werden.

Bemerkenswert ist, dass ION als Spiel sehr gut funktioniert und die Erstellung von passenden Ionenverbindungen keine explizite Lernleistung erfordert, sondern als Teil des regulären Spielgeschehens wie selbstverständlich und sozusagen nebenbei geschieht.

Einzelne Teile des Spielgeschehens können dann im Anschluss an das Spiel aufgegriffen und vertieft werden. So kann man auf konkrete Unterrichtsinhalte zu sprechen kommen: etwa wie Ionenverbindungen aufgebaut sind, um welche Ionen es geht, in welchen Verbindungen bestimmte Ionen vorkommen, usw.

ION ist grundsätzlich ein englischsprachiges Spiel, das Basis-Spiel kann aber aufgrund der ähnlichen bis identischen Bezeichnungen der relevanten Ionen auch im deutschsprachigen Chemieunterricht eingesetzt werden. Ggf. ist eine kurze Einführung in die Begriffe notwendig, oder man entlastet das relevante Vokabular durch entsprechende Hinweise oder Übersetzungen, z.B bei den kurzen Texten auf den Zielkarten, indem man entsprechende Arbeitsblätter beifügt oder Placemats erstellt, auf denen die Karten abgelegt werden und die entsprechende Übersetzungen liefern.

Didaktische Hinweise & weitere Informationen

Fach: Chemie

Thema: Ionenverbindungen/ ionische Bindung

Zielgruppe: Sek I, Sek II (Angaben auf dem Spiel: ab 8 Jahren)

Lernziele: Grundsätzliche Funktionsweise von Ionenverbindungen kennenlernen bzw. verstehen, Ionenverbindungen erstellen bzw. anwenden

Plattform: keine/ Kartenspiel

Steuerung/Interface: keine/ Karten

Übliche Bezeichnung: Kartenspiel (Set Collection, Card Drafting)

Anwendungsbereich im Unterricht:

  • Zum Einstieg
  • Zur Vermittlung von Lerninhalten
  • In der Erarbeitungsphase
  • Zur Wiederholung

Lernprinzipien:

  • Entdeckendes Lernen
  • Handlungsorientierung
  • Vereinfachung

Interaktionsmodus: Multiplayer

Spielerzahl: 2-7

Spieldauer: 20-30 Minuten

Sprache: Englisch, das Spiel lässt sich aber ohne großen Aufwand in den deutschsprachigen Fachunterricht einbinden.

Erscheinungsdatum: 2015

Autor: John J. Coveyou

Preis: 20€ (Stand 04/2020)

Link zum Webauftritt: Genius Games – Ion: A Compound Building Game

Weitere Links zum Einsatz des Spiels in Lernsituationen:

Review zu Ion: A Compound Building Game von The Board Game Teacher

Vielen Dank an Genius Games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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Dieser Post ist ein Beitrag zum Themenspecial „Educational Gaming in der Schule“ auf digital-spielend-lernen.de – Darin werden verschiedene Educational Games, Game-Based Learning-Projekte, gamifizierte Angebote und Hintergrundinformationen für den Unterricht vorgestellt.

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